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Kartoffelanbauer benutzen eigene Pommes, um die großen Jungs zu bekämpfen

Immer häufiger entscheiden Kartoffelbauern sich dazu, ihre Produkte nicht zu großen Verarbeitern zu schicken, sondern sie selbst zu verarbeiten. Neben der Produktion stellen immer mehr Bauern ihre eigenen Pommes her. Dafür gibt es mehrere Gründe und deshalb betreten sie den Bereich der Verarbeitungsindustrie immer öfter.

Kein einfacher Anfang
Eine der Firmen, die beschlossen hat, die Dinge anders zu machen, ist Landlust Frites aus Moerkapelle, Niederlande. Derreck Bac verarbeitet zum ersten Mal dieses Jahr seine eigene Ernte von Agria und Frieslander zu Pommes. Er sagt, dass es gut läuft, obwohl es nicht immer einfach ist. „Es gibt viele Qualitätsanforderungen. Man muss 100 Dinge im Kopf behalten und wenn man nur einen Fehler macht, ist die Qualität nicht so gut, wie sie sein sollte. Es ist ein sehr präzises Geschäft,“ sagt der Mann, der die Firma mit seinem Vater und seinem Bruder leitet. „Glücklicherweise wusste ich das vorher und ich war in der Lage, mich darauf vorzubereiten. Ich habe auch Erfahrung mit der Verarbeitung von Lebensmitteln. Deswegen weiß ich, welche Wachstumsschmerzen man erwarten muss. Das war sehr hilfreich.“



Die Firma Verse Boerderij Friet stellt auch frische Pommes her. In ihrem Fall benutzen sie Agria ganzjährig und ab und zu benutzen sie Bintjes. Das Familenunternehmen, das seit den 30er Jahren mit Kartoffeln arbeitet, entschloss sich 2014 ihre eigenen Kartoffeln zu verarbeiten. „Mein Bruder und ich rutschten da zufällig rein,“ sagt Besitzer Adriaan Veerman. „Wenn man einen guten Service anbietet, wird es immer einen Markt dafür geben. Aber eine Verarbeitungsfirma aufzubauen, ist nicht immer einfach. Wir haben mit 50 Kilo pro Woche angefangen, was mehr kostet als es einbringt. Mein Bruder, meine Tante und eine gute Bekannte haben unentgeltlich in der Firma ausgeholfen, nur um behilflich zu sein. Anfänglich kann man noch niemanden einstellen.“

Die Kartoffelwelt muss sich ändern
Einer der Gründe, warum Adriaan mit der Verarbeitung angefangen hat, ist, dass er nicht länger von den großen Kartoffelverarbeitungsfirmen abhängig ist, die zu viel Macht haben. Er liefert Pommes an Pflegeheime, Supermärkte, Kantinen, Restaurants und Konsumenten. „Wir sind alle gezwungen, viel für wenig Geld zu produzieren. Das sollte sich ändern,“ sagt er. „Viele Kartoffelbauern unterzeichnen einen Vertrag mit einer großen Pommesfabrik und dann müssen sie dabei bleiben. Und Chargen können einfach so abgelehnt werden. Wenn es sie glücklich macht, sollen sie so weiterarbeiten, aber es macht mich überhaupt nicht glücklich. Jahrelang habe ich Bulkware angebaut und ich bin froh, dass es vorbei ist. Fabriken vergessen manchmal, dass zwei Parteien einen Gewinn machen müssen und nicht nur eine.“


Pieter und Adriaan Veerman. Foto: Wouter Mikkers – fotografie

Laut Derreck von Landlust Friet sind in den letzten Jahren viele Kartoffelbauer aus ihrer Region verschwunden. In dem man etwas anderes neben dem Standardsortiment anbietet, können Kartoffenbauern sich unterscheiden, sagt er. „Wir können nicht mit größeren Kartoffelverarbeitern konkurrieren,“ fährt er fort. „Unsere Pommes gehen an gastronomische Betriebe und Einzelhändler. Kürzlich haben wir Konsumentenverpackungen eingeführt. Die Leute müssen wissen, dass die Preise bei kleine Geschäftsleute wie wir es sind, häufig höher sind als bei großen Firmen. Aber wir bauen so nachhaltig wie möglich an. Außerdem hat meine Familie jahrelange Erfahrung im Kartoffelanbau. Es gab Zeiten, in denen wir 80 Hektar Kartoffeln hatten. Wir fokussieren uns jetzt auf weniger Hektar. In der Zukunft möchten wir wieder ein bisschen wachsen. Wir liegen in einer dicht besiedelten Gegend in der Randstad. Es gibt immer etwas anzubauen für all diese Menschen. Wenn es eine so hohe Nachfrage gibt, fängt man nicht an, für den globalen oder europäischen Markt anzubauen. Wir haben angefangen, unsere eigenen Kartoffeln zu verarbeiten, weil wir uns um unsere eigenen Verkäufe kümmern wollten. Es ist gut, wenn man die Kontrolle über seine eigenen Angelegenheiten hat.“

Adriaan von Verse Boerderij Friet sagt, dass Bauern anfangen sollten, die Kartoffeln anders anzubauen. Er signalisiert, dass Landwirte die Menge anbauen müssen, die der Markt bewältigen kann. „Jeder Schuppen ist voll mit Kartoffeln, aber das verursacht auch Probleme. Letzten Endes weiß man nicht, was nächstes Jahr passiert. Viele Bauern werden weniger Pflanzen anbauen. Wenn es einen trockenen Sommer gibt, werden viele Kartoffeln verloren sein und teurer werden. Im Jahr darauf werden mehr Pflanzen angepflanzt, also wird es zu viel für den Markt sein. Und es wird nie aufhören. Bauern müssen über die Nachfrage des Marktes nachdenken, nicht wie viel Land zur Verfügung steht. Anbauer müssen lernen, Risikomanagement zu praktizieren, was und was nicht realistisch ist. Bauern stehen oft Überraschungen gegenüber.“

Fotos: Wouter Mikkers - fotografie

Transparent
Laut Derreck von Landlust Frites gibt es zwei Gründe dafür, warum mehr und mehr Bauern anfangen, ihre Kartoffeln selbst zu verarbeiten. „Heutzutage begreifen die Leute die Bedeutung von lokalen Produkten. Es ist nah an der Quelle und man braucht nicht viel Transport. Außerdem sehen wir eine allmähliche Verschiebung von gefrorenen zu frischen Pommes. Die Menschen werden sich ihres Essens bewusst und möchten wissen, wie es gemacht wird. Wir arbeiten auch energieneutral. Unser komplettes Dach ist überzogen mit Solarpanelen. Es ist wichtig, dass die Konsumenten das alles wissen. Sozialen Medien sind ein wichtiges Mittel hierbei.“

Adriaan denkt auch, dass Transparenz wichtig ist. „Ich denke, dass die großen Verarbeiter zu verschlossen sind,“ sagt er. „Man muss wissen, wo das Essen herkommt, es muss transparent sein. Weil wir anbauen, verarbeiten und verpacken, kann alles, was von unserer Firma gemacht wird, verfolgt werden. Man sollte tatsächlich in der Lage sein, die Hand von jeder Person zu schütteln, die in der Verarbeitung der Nahrung involviert ist. Das ist heute nicht mehr möglich. Woher will man wissen, ob man dieser Person vertrauen kann? Wir hatten eine große Mauer um unsere Firma, aber wir haben sie Stein für Stein eingerissen. Ich denke, der komplette Lebensmittelsektor sollte transparenter werden. Menschen dürfen uns besuchen. Wir haben nichts zu verbergen, also warum sollten wir nicht offen und ehrlich unseren Kunden gegenüber sein?“

Mehr Informationen: 
Landlust Frites
Derreck Bac

Verse Boerderij Friet
Pieter and Adriaan Veerman

Erscheinungsdatum: 14.12.2017

 


 

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