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Trotz gestiegener Apfelpreise deutliche Verluste für Bodensee-Obstbauern

Bauern stellen sich trotz höherer Apfelpreise auf Verluste ein. Verbraucher müssen in der nächsten Zeit vermutlich tiefer in die Tasche greifen, wenn sie Äpfel kaufen wollen. Aber ob das den Schaden kompensiert, den Frost und Hagel bei den Landwirten angerichtet haben?
 
"Wir haben europaweit eine deutlich kleinere Ernte, weil es in vielen Ländern massiven Frost gab", sagte Jürgen Nüssle von der Marketinggesellschaft Obst vom Bodensee. "Das lässt zwar den Preis steigen - allerdings reicht das bei Weitem nicht aus, um die Schäden zu kompensieren."

Der Großteil der Ernte aus der Bodenseeregion geht in den Großhandel und Lebensmitteleinzelhandel, wie Nüssle sagte. Die Kunden müssten derzeit mit einem Kilopreis von rund 2,99 statt 1,99 Euro bei dem Äpfeln rechnen. Wie viel davon beim Erzeuger ankommt, lasse sich pauschal aber nicht sagen - das sei etwa abhängig von der Sorte. "Es ist aber sicher weniger als die Hälfte."

Später Frost mitten in der Blütezeit im April hatte vielen Apfelbauern im Südwesten die Ernte verdorben. Das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Ravensburg (KOB) war vor Erntebeginn von einem Rückgang von 63 Prozent in der Bodenseeregion ausgegangen - demnach würden statt 231.300 Tonnen nur rund 86.000 Tonnen geerntet.

Jürgen Nüssle geht inzwischen sogar von einem noch höheren Verlust aus: "Von außen haben die Äpfel teilweise noch besser ausgesehen», sagte er. «Ich rechne mit minus 75 Prozent." Der Bodensee ist neben dem Alten Land in Hamburg und Niedersachsen eines der wichtigsten Anbaugebiete für Äpfel in Deutschland.

Frost und Hagel haben auch nicht nur dem Südwesten zugesetzt: Laut der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) droht europaweit mit 9,3 Millionen Tonnen die kleinste Apfelernte seit 10 Jahren. Für Deutschland werde mit 555.000 Tonnen (minus 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sogar der geringste Ertrag seit der Wiedervereinigung prognostiziert.

Regionen wie die Niederelbe seien dank Frostberegnungsanlagen mit Verlusten von geschätzt 35 Prozent noch glimpflich davongekommen, sagt der LEL-Experte Dennis Hezel. In Baden-Württemberg seien dagegen zwei Drittel einer Durchschnittsernte vernichtet worden. Für einen Teil dieser bislang nicht-versicherbaren Schäden werde das Land Baden-Württemberg im Rahmen der Frosthilfe 2017 aufkommen.

Aufgrund der geringen Erntemengen prognostiziert die LEL, dass Baden-Württemberg im kommenden Frühjahr auch auf Importe angewiesen sein könnte. Sorten wie Elstar und Gala müssten auch bedingt durch ihre Haltbarkeit bis April oder Mai vermarktet sein, dadurch werde es am Bodensee kaum mehr Lagerware für den Verkauf geben. Bei Äpfeln habe der Südwesten normalerweise einen Selbstversorgungsgrad von rund 150 Prozent, sagte Hezel weiter. Bei einem Verbrauch von rund 150.000 Tonnen Tafeläpfeln jährlich müsse man ein Versorgungsdefizit von 50.000 Tonnen ausgleichen oder auf andere Obstarten ausweichen.

Quelle: Proplanta

Erscheinungsdatum: 11.10.2017

 


 

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