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Italien: Interview mit dem Einkaufsleiter der Supermarktkette Crai
Mindestpreis für Obst- und Gemüse? Ja, aber nur wenn...

"Im Sektor Obst- und Gemüse wollen wir wachsen. Unsere Philosophie ist es, sich auf die Qualität zu konzentrieren, beginnend bei den Lieferanten und den besten Erzeugnissen zum richtigen Preis", erklärt Carmelo Carriero, Verkaufsleiter der Crai.

Crai ist eine Kette im Wachstum: Kürzlich wurden die Ergebnisse 2016 präsentiert: Gesamtumsatz von 5,8 Milliarden Euro, 332 neue Verkaufspunkte bei 2300 Geschäften. In den ersten 6 Monaten von 2017 wurden 78 neue Verkaufspunkte eröffnet.

FreshPlaza (FP): Welcher Konsumtrend wird in den Supermärkten der Crai wahrgenommen?
Carmelo Carriero (CC): Unser Marktwert im Panorama der Supermärkte steigt, dank der wachsenden Mitgliederzahl und somit der Verkaufspunkte. Der Umsatz steigt. Gemessen am Verbrauch sehen wir einen Zuwachs, linear mit dem allgemeinem Trend. Es scheint, diese Steigerung ist stärker bei den großen Supermärkten (flächenmäßig) als für die kleineren. 

FP: Welchen Stellenwert hat dabei Obst- und Gemüse?
CC: Zusammen mit der Feinkost ist dies das Segment, auf dem sicherlich unsere Konzentration liegt. Der Obst- und Gemüsesektor soll den Unterschied machen, vor allem zu den nahe gelegenen Geschäften, in denen der tagtägliche Einkauf getätigt wird. Auch in unseren Supermärkten soll der Obst-u. Gemüsebereich uns von den anderen Ketten unterscheiden und der Verbraucher soll sich dessen zu jeder Zeit bewusst werden. 



FP: Geben Sie ein Beispiel.
CC: Unsere Erzeugnisse kosten im Vergleich zu den anderen Produkten etwas mehr, aber der Verbraucher soll sagen können, dass er dafür gutes Obst und Gemüse bekommen hat. So, dass er wieder zu uns kommt. Was nützt es, ein paar Euro gespart zu haben, wenn die Qualität nicht den Erwartungen entspricht? Meiner Meinung nach kommt es auf das Verständnis an, eine bessere und konstante Qualität zu erwerben.

FP: In diesem Sektor ist das Wort "Kontinuität" nicht einfach anzuwenden...
CC: Das stimmt, aber genau das ist unser Objektiv. Das beginnt bei der Wahl der Erzeuger. Wir sind im ständigen Dialog mit den Organisationen, den Konsortien, den Kooperativen. Wir verhandeln nicht mit freien Agenten, die jeden Tag auf Niedrigstpreisen zielen. Wir wollen keine Schleuderpreise. Wir wissen, um eine hohe und konstante Qualität anbieten zu können, müssen wir in vertrauenswürdigen und professionellen Herstellern investieren. 



FP: Kann der Verbraucher Qualität erkennen?
CC: Sicher, man muss sie nur anbieten. Wir legen die Latte für die Qualität hoch und halten dabei die Preise unter Kontrolle. Wir können nicht zu sehr von den Preisen der Mitanbieter abweichen, aber wir wissen, der Verbraucher zahlt gerne etwas mehr, wenn er, wie eher gesagt, bessere Qualität erkennen kann. Auch was den Service betrifft: Die Kundschaft weiß einen guten Service zu schätzen und zu vertrauen.

FP: Wie geht CRAI mit der Qualität der Erzeugnisse um?
CC: Dank der neuen Logistik Plattform sind wir in der Lage, die Preise des Ankaufs zu verbessern, dank einer Bündelung aktueller Produkte auf einen Standort. Mit dem Objektiv die Marginalität der Produkte  zu erhöhen, dabei bestehende Lieferanten einbeziehend, und sie wieder zu wählen. Danach wollen wir das qualitative Niveau in allen Geschäften durchsetzen und konstant halten.



FP: Der Sommer 2017 war bis jetzt charakteristisch für niedrige Preise z.B. bei Steinobst und heute auch Melonen und Wassermelonen. Wie geht die Crai mit dieser Situation um?
CC: Mit der Prämisse keine Preistreiberei mit unseren Lieferanten zu betreiben, d.h. wir probieren die Abwicklungen konstant zu halten. Qualitätsproduktionen unterscheiden sich und erzielen einen höheren Umsatz. Und hier kommen Zweifel auf: In welchem Segment versammeln sich die Landwirte? Haben sie mehr Produktion mit höherem Gewinn, oder eine Pauschallösung? Und dann ist da noch das Problem der Organisation...

FP: Was meinen Sie?
CC: In Italien gibt es keine Planung. Z.B. die Niedrigpreise der Melonen: Niemand weiß, wie viel Hektar in diesem Jahr angepflanzt wurden. Linear mit letztem Jahr? Doppelt soviel? Weniger? Die Erzeuger, besonders in gewissen Gebieten in Italien, säen entsprechend der Preise des vorausgegangenen Jahres, in der Hoffnung, dass, es genauso wird. Aber das ist unlogisch. Es müsste eine Planung geben, die einen Zusammenbruch der Preise verhindert. 

FP: Wer sollte das ihrer Meinung nach tun?
CC: Ich denke, das Landwirtschaftsministerium sollte Verantwortlichkeit übernehmen und Richtlinien vorgeben, in Übereinstimmung mit den Organisationen der Erzeuger. Nur in Übereinstimmung und durch Stabilisierung der Kriterien können wir uns an Spanien annähern, das schon vor Jahren präzise strategische Entscheidungen gefällt hat.  

FP: Oft wird gefragt, ob die Supermärkte einen Mindestbeitrag zahlen, so dass die Produzenten keine Krisen erleben müssen. 
CC: Dem kann ich zustimmen und ich glaube, alle Supermarktketten sollten das tun. Das würde auch nicht ausreichen: Alle Händler sollten dem zustimmen. Denn anders gäbe es einen Missstand.

FP: Wie sehen Sie die Zukunft des Sektors?
CC: Die sehe ich verändert, mit zunehmenden Service, also höherem Wert. Nehmen wir z.B. die IV Sparte des Gemüses: Es ist teurer, als normal, aber es wird gekauft, da es bequem ist, zeitsparend. Und das sollte nach allgemeiner Auffassung belohnt werden, d.h. teurer bezahlt werden. 

FP: Warum passiert nicht dasselbe bei der IV Sparte des Obsts?

CC: Sehr einfach: Bis jetzt werden keine Produkte angeboten, die den Erwartungen entsprechen. Sobald diese Produkte zur Verfügung stehen, erlebt auch dieser Sektor einen explosiven Anstieg. Nun liegen aber die organoleptischen Eigenschaften  unter den Erwartungen und der Verbraucher will für ein Lebensmittel, das nicht überzeugt, nicht mehr bezahlen. 

Erscheinungsdatum: 11.08.2017

 


 

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