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Der Verantwortliche für die weltweite Besessenheit mit Avocado's

An einem Punkt in den 1920ern, am Stadtrand von Los Angeles, beschloss ein freundlicher Mitarbeiter der lokalen Post sich einen Avocado-Samen zukaufen. Das tat er mit großem Erfolg und pflanzte die Saat dementsprechend in seinem Garten mit der Absicht, eine neue Avocadosorte zu entwickeln. Die Pfropfen wuchsen jedoch nicht und der Postbote kam zu dem Entschluss, den unkooperativen Baum also einfach wieder zu fällen. 

Seine Kinder überzeugten den Postboten, Herr Rudolph Hass, diesen bestimmten Baum zu retten. Sie waren der Meinung die Avocados von diesem Baum seien viel geschmackvoller als die aus dem Laden. Und so retteten seine Kinder nicht nur das Vermächtnis von Herrn Hass, sondern veränderten Guacamole und Avocado-Toast wie wir es heute kennen. Im Jahr 1935 patentierte er die Hass-Avocado, eine fruchtbare Sorte der fleischigen, butterigen Frucht, die nun gut 95% der 4 Milliarden Avocados ausmacht, die jedes Jahr in den USA verzehrt werden.

Die kulinarische Landschaft der Avocado heute ist weitgehend anders zu dem zu Lebzeiten von Rudolph Hass. Der durchschnittliche Amerikaner isst heute im Jahr sieben Pfund Avocados, vor noch 100 Jahren kannte außerhalb von Kalifornien so gut wie niemand die Frucht. Obwohl die Pflanze schon seit den 1830er Jahren für Dekorationszwecke angebaut wurde, gab es nirgendwo im Land eine kommerzielle Produktion. Außerdem hatten die Avocados wie wir sie kennen damals ein kleines Marketing-Problem.

'El Ahuacate', die birnenförmige Frucht mit rauer Haut, war bereits seit mindestens 500 v.Chr. ein fester Bestandteil der Ernährung in Zentral- und Südamerika. Spanische Konquistadoren verliebten sich ebenfalls in den nussigen Geschmack und die butterige Textur, welche sie zum ersten Mal im 16. Jahrhundert erlebten. Leider war 'ahuacate' für viele Amerikaner des 20. Jahrhunderts nur schwer zu auszusprechen. Zusätzlich war es der aztekische Begriff für "Hoden", ein Name der durch die legendäre Funktion als Aphrodisiakum gefestigt wurde, was den Verkauf an die prüde amerikanische Bevölkerung nicht gerade erleichterte.

Aber für die Esser, die die Frucht zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon kannten, meist aus den Anbauregionen Kalifornien und Florida, war die Avocado bereits ein Hit. Die ersten Hotels in Los Angeles und San Francisco verkauften die Früchte für 1$ pro Stück (heute ungefähr 24$), und verschafften der Frucht den Spitznamen "grünes Gold". Die wertvollsten Obstbäume der Zeit waren Avocado-Bäume. 

Aber da war immer noch das Problem mit dem phallischen Namen. Die leckere Frucht erhielt über die Jahrhunderte diverse andere, europäische Namen. Den Spaniern war sie als Aguacate bekannt und den britischen Seeleuten als "Oberfähnrichs Butter". An einem Punkt des 19. Jahrhunderts begannen die Amerikaner sie "Alligator Birne" zu nennen, ein weiterer Name in dem die Erzeuger ihren Ruin sahen. Also beschloss eine Versammlung von kalifornischen Produzenten in einem Hotel in Los Angeles am 15. Mai 1915, einfach einen eigenen Namen zu erfinden: "die Avocado". Sie informierten die Wörterbücher der Nation über ihre Entscheidung und organisierten sich zu California Avocado Association, um ihren Willen durchzusetzen.

Zunächst gab es nur recht wenige der Früchte, die für exorbitante Preise verkauft wurden, die neumodische Avocado war ein Luxusgut. Typisch für die größere und stark saisonale Sorte Fuerte, waren Werbungen in der Vogue und dem New Yorker in den 1920ern, die die Frucht als "Aristokrat der Salatfrüchte" bezeichneten. Berühmte Köche bekamen Provision, wenn sie die Frucht mit Grapefruit servierten oder mit Hummer füllten und ihren gut betuchten Kunden servierten. 

Aber im Laufe der Zeit wurde die gute Qualität und die hohen Erträge vom Baum von Rudolph Hass immer beliebter bei den Avocado-Erzeugern. Die Produktion wurde ausgeweitet und die Preise sanken von 1$ auf 25 Cents in den 1950ern, an welchem Punkt dann auch die breite Masse Interesse an der dekadenten Frucht gewann. Tatsächlich empfahl die New York Times schon in den 60ern die Avocado in Scheiben zu schneiden und auf Toast zu schmieren, womit der Avo Toast Trend auf Instagram schon vor mindestens 50 Jahren etabliert wurde.

Die Beliebtheit der Avocado stieg weiter und weiter, nicht zuletzt aufgrund der großen Immigrationswellen aus Lateinamerika, nach dem Immigration and Naturalization Act von 1965.  Die Avocado ist nämlich nach wie vor, in Zentral- und Südamerika einheimisch und wird dort vielseitig eingesetzt. Als Lateinamerikaner nach Amerika kamen, brachten sie ihre Liebe für Avocados mit sich, ein Trend der bis heute anhält. Laut dem Hass Avocado Board bezeichneten sich im letzten Jahrzehnt 90% aller hispanischen Amerikaner als Avocado-Esser, wohingegen es nur 50% der restlichen Bevölkerung taten.

Der Missionsfeldzug der fettarmen Lebensmittel in den 1980ern wirkten sich negativ auf den Konsum der bekannterweise fetthaltigen Avocado aus. In den 90ern jedoch, mit einer Welle von Avocados die dank NAFTA aus Mexiko geliefert wurden und einem weiteren versierten Marketing-Push durch Avocadoproduzenten, die Guacamole mit dem Super Bowl in Verbindung brauchten, fielen die Preise erneut und der Konsum schoss in die Höhe. Die moderne Besessenheit der Amerikaner mit der Frucht ist heutzutage in solche Höhen aufgeblüht, dass der gesamte Kontinent derzeit unter einer Knappheit leidet. Das ist sicherlich mehr, als sich Rudolph Hass jemals hat erträumen lassen, als sein Experiment mit der Frucht fast fehlschlug - aber das perfekte Ende zu dem, was Amerika's Avocado Jahrhundert genannt werden könnte.

Erscheinungsdatum: 17.07.2017

 


 

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